Bitte, mein Pastor, bete. Bete!

7 Gründe, warum geistliche Leiter beten sollten

Ich bin kein Pastor und ehrlich gesagt, bin ich auch froh, keiner zu sein. Denn ich glaube, das ist kein einfacher Job. Umso wichtiger ist es, dass Christen für ihre geistlichen Leiter beten. Und weil das Pastor-Sein manchmal dem einer multi-funktionalen eierlegenden Wollmilchsau gleicht, die versucht, allen möglichen Anforderungen ihrer Schäfchen gerecht zu werden, ist es nicht verwunderlich, dass in Gemeinden häufig wenig Motivation und Anleitung zu einem Lebensstil des Gebets zu finden ist und so gut wie keine Lehre über die faszinierende und alles verändernde Heiligkeit Gottes geschieht. Dies hat nichts damit zu tun, dass Pastoren nicht um die Wichtigkeit dieses Themas wüssten, sondern weil dies schlicht am Terminkalender der Wollmilchsau scheitert. Ein Lebensstil des Gebets ist meist nicht mit dem Terminkalender eines Pastors vereinbar. Wer in unserer Zeit effektiv arbeiten will (und das ist leider zu oft die Maxime!), kommt nicht darum herum, Prioritäten zu setzen, um Zeit und Kraft zu optimieren. Und so wird leider viel zu oft an der falschen Stelle gespart- am Gebet nämlich, weil dies in menschlichen Augen am wenigsten effektiv zu sein scheint. Welcher Pastor hat schon den Mut, eine mehrstündige tägliche Gebetszeit als Arbeitszeit zu deklarieren und vor seiner Kirchenleitung zu verteidigen? Und in welcher Gemeinde sind die Gebetstreffen tatsächlich die am meisten besuchten Veranstaltungen? Ein Schelm, wer dies den Leitern in die Schuhe schiebt, weil sie schließlich Vorbildfunktion haben und mit guten Beispiel vorangehen sollten? Und wäre es vollkommen verrückt anzunehmen, dass ein Gutteil kraftloser Lehre und Lehrer zurückzuführen ist auf ein kraftloses Gebetsleben? Wäre es vermessen anzunehmen, dass viele Fälle von Burnout vermieden werden könnten, würde ein geistlicher Leiter mehr Wert auf sein inneres Leben legen? (1) Und ist es von einem Pastor zu viel verlangt, als Anbeter und Fürbitter für seine Gemeinde einzutreten und damit das levitische Priesteramt fortzuführen (schließlich wird er auch dafür bezahlt)? Und geht man fehl in der Annahme, dass Pastor nur über das lehren können, was sie selbst erlebt haben? Anlass genug für mich, die steilen Aussagen aus meinem ersten Artikel und die Forderungen an die Schäfchen nun auf die Hirten auszuweiten. 7 Gründe also, warum geistliche Leiter unbedingt Beter sein sollten.

  1. Wenn die Fürbitte und der Dienst der Pastoren wirksam sein soll, müssen sie Menschen sein, die angefüllt sind mit der Gegenwart Gottes, weil nur die „Innewohnung des Meisters“ (nach Andrew Murrays The Masters Indwelling) den eigenen Glauben und die Freude an Gott stärkt und vermehrt. Schließlich ist die FREUDE an Gott die Stärke des Gläubigen. Ist diese freudvolle Gegenwart Gottes, die sich durch Gebet einstellt, nicht vorhanden, wird Fürbitte und Dienst aus eigener Kraft verrichtet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Pastoren ermüden oder gar aufgeben.
  2. Geistliche Leiter können Menschen nur an (geistliche) Orte führen, an denen sie selbst gewesen sind. Anders ausgedrückt: Geistliche Leiter führen Menschen nur so weit wie sie selbst sind. Es wäre schade, wenn Pastoren sich irgendwann mit Hiob eingestehen müssten: „Ich kannte dich nur vom Hörensagen.“ Sondern es wäre besser, wenn sie jederzeit bekennen könnten: „Meine Augen haben dich gesehen.“ Geistliche Leitung birgt die geistliche Verantwortung sich auszukennen in dem, was man lehrt. Dies meint jedoch nicht allein das Kopfkissen, sondern auch die Herzenserfahrung.
  3. Anhaltendes, demütiges und gemeinschaftliches Gebet ist der Schlüssel für Erneuerung und Erweckung. Dies ist eine Binsenweisheit, wenn man in die Geschichte der Kirche schaut (Herrenhuter Brüdergemeine und Missionsbewegung, China-Inland-Mission, Erweckung der Hebriden und in Wales, 1st Great Awakening in Neu-England usw…) Hier treffen die Aussagen der Bibel zu: „…und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.“ (2. Chronik 7, 14). Zu gern erfreuen wir uns an der prophetischen Zusage aus Joel 3 (Ausgießung des Heiligen Geistes, Erneuerung und Erweckung) und vergessen, dass vorher noch Joel 2 zu beherzigen ist: „Die Priester, die Diener des HERRN, sollen weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, blicke mitleidig auf dein Volk…“
  4. Betende Menschen sind demütige Menschen, weil sie um ihre Position wissen. „Nicht uns, nicht uns, HERR, sondern deinem Namen gib Ehre.“ (Psalm 115, 1)
  5. Begegnung mit Gott im Gebet ist der Schlüssel für jede Erkenntnis. Eine Predigtvorbereitung, die nicht auf den Knien errungen wird, bleibt häufig im besten Fall ein rhetorisches Kabinettstückchen, zeichnet sich jedoch nicht durch geistliche Vollmacht aus.
  6. Gebet im Sinne des Anschauen der Herrlichkeit Christi (2. Korinther 3, 18) ist der Schlüssel für jedes geistliche Wachstum. Dies schließt auch charakterliche und persönliche Veränderung mit ein.
  7. Gebet gehört zu den Kernkompetenzen geistlicher Leiter. Es ist schon erstaunlich, dass die Einsetzung der Diakone durch die Apostel der Urgemeinde mit folgender Begründung geschieht: „Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren.“ (Apostelgeschichte 6, 4). Anscheinend waren die Apostel durch organisatorische Verpflichtungen (hier: Armenspeisung) zu abgelenkt, so dass in ihnen ein Drängen entstand zum Dienst des Gebets und der Lehre zurückzukehren. Was wäre, wenn Pastoren zu diesen beiden Diensten „befreit“ würden? Ich glaube, es würde nichts Geringeres geschehen als eine neues Verständnis des Hirtenamtes, vielleicht müsste so manche Stellenbeschreibung verändert werden. Ganz bestimmt würde die Aufgabenverteilung zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen anders verteilt werden.

Ich träume von einem Leib Christi, der nach Jesu Worten ein „Haus des Gebets“ (Matthäus 21, 13 nach Jesaja 56, 7), eine Kirche, deren erstes Ziel es ist, Gott in Einheit anzubeten, weil sie um die Quelle ihrer Kraft weiß. Diese liegt in der ausschließlichen Begegnung mit dem Heiligen. Deswegen, liebe Pastoren, bitte betet, und macht Euer Gebetsleben zu einer Hauptaufgabe Eures geistlichen Dienstes. Um euret- und um unsretwillen. 

(1) von 10% der von Andreas von Heyl 2012 für sein Buch „Anti-Burnout-Buch für Pfarrer“ erfassten Pfarrerschaft in Bayern waren 50% burnout-gefährdet (Quelle: https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/warum-leiden-pfarrer-an-burnout.html) 

 

Bildrechte: © Ahmed Rizkhaan; https://unsplash.com/photos/NqgDRDuLTdM

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