Unser Auftrag

Brücke hell
© Nico Gulden, privat

„Der Gläubige von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ (Karl Rahner,„Zur Theologie und Spiritualität der Pfarrseelsorge“, in: Schriften zur Theologie, XIV (Zürich, 1980), 161.)

HUNGER

Christen sind wir schon lange. Eigentlich von Jugend auf. Und doch ist in den letzten Jahren etwas anders geworden. Und alles begann mit Hunger. Konnte das schon alles gewesen sein? Unser Leben als Christ war, so schien es uns, irgendwie zur Gewohnheit geworden; die persönliche Nachfolge mehr eine Tradition als eine Überzeugung, die erste Liebe irgendwie erkaltet; der Glaube ohne echte Früchte im Alltag und Bibellesen und Gebet mehr Pflichtübung als echter Genuss. Dazu kam die langjährige haupt- und ehrenamtliche Tätigkeit als (Gemeinde)Musiker und Lobpreisleiter, zuerst im Süden, später in Bremen. Ja, man kann jahrelangMusik in einer Gemeinde machen und Menschen in die Anbetung Gottes zu führen versuchen, ohne selbst innerlich im Glauben zu wachsen und aus diesem Überfluss heraus den Menschen zu dienen.

Frank hell
© Arne Lüking, privat

2013 war dann für Frank der Punkt erreicht, an welchem er nicht länger ein frommes Theater auf christlichen Bühnen spielen wollte und sich ganz aus dem musikalischen Ehrenamt der Gemeinde zurückzog. Gemäß der Überzeugung: „Wer Substantielles geben möchte, muss sich vorher selbst füllen lassen.“ Hunger eben. Oder heilige Unzufriedenheit? Und so begann unsere Suche nach MEHR. Durch Hören von Predigten, Lesen von Büchern, Gesprächen mit anderen Christen und Pastoren… und durch Zeiten des Gebets. Denn, so hatte es den Anschein, war geistliches Wachstum zumeist eng verbunden mit einem intensiven und regelmäßigen, wenn nicht sogar leidenschaftlichen Gebetsleben. Hier fand echte Gottesbegegnung statt, zumindest bei den geistlichen Helden, die wir studiert hatten. Und so machten wir uns ans Werk, vorsichtig und zögerlich zuerst und dann immer mehr staunend darüber, dass wer betet, plötzlich immer mehr Gefallen daran findet, zu beten! Eine Sehnsucht erwuchs nach echter Begegnung mit dem Heiligen und die Erfahrung stellte sich ein, dass diese Sehnsucht in Gebet und Bibelmeditation tatsächlich gestillt wurde. Zur selben Zeit wurden Freunde von Gebetsinitiativen in Augsburg und Freiburg inspiriert und auch in unserer eigenen Gemeinde wuchs an unterschiedlichen Stellen und (scheinbar) unabhängig voneinander die Ahnung, dass Gebet der Schlüssel für persönliche Erweckung wie auch Erneuerung unserer Gemeinden sein könnte. Und so begann eine leidenschaftliche Jagd nach dem Herzen Gottes: ein Gebetskreis zur Primetime am Samstag Abend entstand, Gebetsnächte wurden organisiert und siehe da: die Freude an Lobpreis und Anbetung kam wieder, doch diesmal aus dem inneren Überschwang der persönlichen Gebetserfahrungen heraus gespeist. Mit Mut zur Improvisation, spontanen Gesängen, Sprachengebet, dem Singen biblischer Texte. Mit einem Mal entwickelte sich die Fürbitte aus der Haltung der Anbetung heraus. Und: die Liebe zur Bibel nahm immer mehr zu; wir begannen mit dem Wort Gottes zu leben, viel regelmäßiger als noch vor ein paar Jahren. Zudem wuchs plötzlich unser Mut, den eigenen Glauben zu teilen: in der Nachbarschaft, im Kindergarten, dem Verein oder auch einfach so beim Bäcker oder im Supermarkt. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“, sagt der Volksmund. Genauso ist es.

Interessant, dass es Anderen ähnlich ging, denn zur selben Zeit trugen sich Freunde mit dem Gedanken im Untergeschoss ihres Hauses ein Gebetshaus einzurichten, einen Ort der beständigen Anbetung und Fürbitte. Diesem Gedanken schlossen wir uns im Januar 2015 an.

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Brücke hell
© Nico Gulden, privat

Und dann erlebten wir, wie Gott in unser Leben eingriff. Wir begannen konkret für Situationen in unserer Familie zu beten, z.B. für Versorgung in finanziell angespannten Zeiten, für Heilung oder auch einfach nur für Kraft für den nächsten Tag. Gemeinsam als Ehepaar und mit unseren Kindern. Und Gott hörte und griff ein. Wir lernten das dankbare Staunen darüber, dass Gott auf anhaltendes Gebet tatsächlich antwortet. Und noch mehr: Wir erlebten, dass Gott zu uns redete. Nicht mit lauter, vernehmbarer Stimme, doch unüberhörbar deutlich durch eine Regung des Herzens, klaren Gedanken und friedvoller Sicherheit, gespeist aus Zeiten des Gebets und gegründet im Umgang mit der Bibel. Wir begannen konkret nach Gottes Vorstellungen für unser Leben zu fragen und zu prüfen, in welcher Weise und an welchem Ort wir diesen Vorstellungen am besten entsprächen. Gleichzeitig wuchs unsere Verantwortung im Gebetshaus. Aus wenigen Stunden einzelner Mitarbeiter waren im Laufe der ersten drei Jahre Anbetungs- und Lehrabende sowie Schulungsangebote geworden; Predigtdienste kamen hinzu und die Betreuung und Organisation des Kernteams von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gemeinden sowie die Öffentlichkeitsarbeit durch Grafik und Homepage. Grund genug zu fragen, ob dies nicht eine Aufgabe der Zukunft für uns als Familie sein könnte. Und Gott antwortete: Er öffnete uns die Augen dafür, dass in unserer Zeit ein echter Bedarf an Anbetern und Fürbittern besteht, die in der Lage sind,  wiederum Andere in Anbetung und Fürbitte anzuleiten und Christen in einen Lebensstil des Betens und Fastens hineinzuführen und damit in eine größere Intimität mit Jesus. Wir haben den Eindruck, dass unsere westliche Kirche an fehlender Leidenschaft und Hingabe krankt. Dies bestätigen uns die Gespräche, die wir mit Christen in unseren Gemeinden führen. Denn schließlich war dies unser eigenes Erleben: HUNGER- nach Erneuerung und Erweckung, nach Einheit unter den Christen und Evangelisation in den Städten. Der Hunger ist da, nur nicht die Erfahrung, wie dieser Hunger zu stillen ist. Hier sehen wir unseren Auftrag. Nicht als Lehrer oder Dozenten, die ein Konzept weitergeben könnten, sondern als Menschen, die etwas „erfahren“ haben (Rahner s.o.). Und so lautet unser Auftrag, den wir als Familie als Gebetshausmissionare im Gebetshaus Bremen wahrnehmen wollen:

„Gott hat uns berufen, den Leib Christi in Bremen und darüber hinaus durch Gebet, Lehre und Musik auszurüsten, ein Leben in voller Hingabe an Jesus zu führen.“

Diese Überzeugung führt dazu, dass wir uns aus dem Schuldienst allmählich zurückziehen werden, um mehr Zeit und Kraft in diese Arbeit zu investieren. Das ist riskant, das wissen wir. Aber wir wissen auch, dass Menschen im Vertrauen auf Jesus niemals einen Plan B in der Tasche hatten, weil Jesus selbst ihr Plan A ist. Er hat unser Herz in Brand gesteckt. Er hält uns in seiner Hand. Und wir wissen, dass es Menschen gibt, die unsere Sicht der weltweiten Gemeinde Christi teilen, die sich als Braut zubereitet, und voller Sehnsucht nach ihm ruft: „Komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22, 17). Letztlich leben wir in einer Zeit, in der alles eine Frage der Anbetung ist. Und unsere Sehnsucht ist es, dass noch mehr Menschen zu leidenschaftlichen Anbetern des lebendigen Gottes und seines Sohnes Jesus Christus werden. Nicht aus Tradition oder Gewohnheit, sondern weil sie etwas erfahren haben.

Mit ihm.

 

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