Jesus mehr lieben (4)

Puzzle

Ich mache bis heute noch nicht gerne Puzzle, was wohl daran liegen mag, dass Puzzlemachen in meinem Kindergarten eine gern angewendete Strafe war. Ungezogene Kinder wurden in einen separaten Raum gesetzt und mit Hilfe eines Puzzles vom Rest der Gruppe isoliert. Vielleicht liegt darin meine heutige Abneigung gegen dieses Geduldspiel begründet, wer weiß? Nichts desto trotz kann ich mir in Ansätzen die Freude vorstellen, wenn die letzten Teile zusammenpassen und das vollständige Bild nach Stunden des Knobelns und geduldigen Tüftelns erkennbar ist.

Irgendwie fühle ich mich in letzter Zeit immer mal wieder wie ein Puzzlespieler, der erleben darf, wie aus Stückwerk Ganzes und aus einzelnen Teilen ein vollständiges Bild wird. Die Mühe lohnt sich und mein Jahresprojekt „Ich möchte Jesus 2017 mehr lieben als 2016“, von dem ich immer mehr überzeugt bin, dass es sich um ein Lebensthema handelt, nimmt immer weiter Fahrt auf und fasziniert mich von Woche zu Woche. Nein, wer Gott sucht, erlebt und erfährt ihn nicht jeden Tag auf die gleiche intensive Art und Weise. Ja, es gibt den ganz normalen Wahnsinn, es gibt Stress in Beruf und Familie, Krankheit und dunkle Stunden, auch in meinem Leben. Aber eines hat mir die (konsequente, entschiedene, kompromisslose…) Jagd nach Gott in den letzten Monaten bereits gezeigt: Wer Gott sucht, wird beschenkt mit seinem Frieden, der bleibt- auch wenn Tages- und Jahreszeiten wechseln. Und Gott schenkt Erkenntnis seiner selbst, denn er ist kein Lügner („Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich finden lassen. Jer. 29,13). Dies geschieht manchmal puzzlemäßig. Aber der Reihe nach.

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Puzzleteil 1: Kontemplation

Ich merke, wie das innere Gebet eine immer größere Bedeutung für mich bekommt und zur eigentlichen Kraftquelle meines persönlichen Glaubens geworden ist. Es ist erstaunlich, wie durch die Stille, die Sammlung und die innere Ausrichtung auf Gott, Frieden, Zuversicht, Leidenschaft, Freude und Frieden im Glauben erwachsen. Was ist das Geheimnis dabei? Um es mit Charles Spurgeon zu sagen: „Es ist nicht dasselbe, über Gott Bescheid zu wissen, und ihn zu sehen.“ Gott offenbart sich in Stille und Gebet. Daraus fließt alles andere, z.B. die Lust an seinem Wort.

Puzzleteil 2: Wort Gottes und Theologie

Bibel ist nicht Theologie, das ist klar. Ich meine damit Folgendes: Gebet weckt die Liebe zum Wort Gottes und das Wort Gottes wiederum weckt die Liebe zur Antwort des Menschen im Gebet. Nichts motiviert mich so sehr, biblische Texte zu hören (lectio), darüber nachzudenken (meditatio), und in der Gegenwart Gottes zu verweilen (contemplatio) als das Gebet (oratio). Daneben erhört Gott das Flehen um „Frieden und Freude im Glauben“ (Römer 13,15). Und weil die Liebe zum Wort Gottes und die Faszination der Bibel immer größer wird, wächst gleichermaßen die Lust auf Bücher und Vorträge, die sich mit Inhalten der Hl. Schrift beschäftigen. Wie gut, dass uns in Zeiten des Internets Zugänge zu allen möglichen Lehrern rund um den Globus gegeben sind. Besonders begeistert bin ich in den letzten Monaten von reformierten Theologen und der Wiederentdentdeckung mittelalterlicher Autoren. Es gibt viel Gutes. Bücher, in denen auf jeder Seite Kostbarkeiten stehen. Nicht immer sind sie einfach zu lesen, aber so viel gewinnbringender als so manch geistliches Fastfood, das mich nur kurz und oberflächlich sättigt. „Nutella für die Seele“ gibt es eigentlich nicht. Gottes Wort will gehört und gekaut werden (ruminatio), es entfaltet einen großen Reichtum, wenn es studiert wird. Wie leicht lassen wir uns abspeisen mit Leichtem. Andere Geistliche Lehrer und Autoren geben wiederum wertvolle Hinweise. Einer davon ist…

Puzzleteil 3: John Piper- Desiring God 

Es ist doch so: Wir hören viele, viele Predigten. Jeden Sonntag. Manchmal auch als Podcast. Keine hat mich so fasziniert wie John Pipers Lehren über „Desiring God.“ Zusammenfassen lassen sich seine Aussagen, die er in vielen unterschiedlichen Predigten entfaltet hat, wie folgt: „God is most glorified in us when we are most satisfied in him.“ Hinter diesem „christlichem Hedonismus“ steht die Auffassung, dass wir als Menschen unsere letztendliche Bestimmung und die Freude und Fülle finden, nach der wir uns in unserem Menschsein so sehnen, wenn wir diese in Gott selbst suchen. Gleichzeitig ist die Verherrlichung Gottes auch sein ultimatives Ziel für sich selbst. In meinen Worten ausgedrückt: Wenn ich Gott in den alleinigen Fokus all meiner Bemühungen und meines Verlangens nehme, ehre ich ihn am meisten und finde gleichzeitig in ihm mein Glück. An diesem Punkt sehe ich auch die größte Herausforderung für die Lehren in unseren Kirchen, die sich entweder darauf beschränken, Menschen zum Glauben einzuladen (mit Hilfe des Bußrufs) oder aber christliches Leben und Nachfolge in Form von Appellen („Lasst uns gemeinsam Anstrengungen übernehmen, Ziele setzen…“). Für mich ist klar: Rufe zur Buße und ein deutliches Sündenverständnis sind unumgänglich (mein Leben als Christ hat auch so begonnen!) und ein Leben in der Nachfolge und Heiligung impliziert Anstrengungen, Disziplin und Eifer. ABER: eine nachhaltige, dauerhafte Motivation zum Leben in der Nachfolge Christi geschieht durch einen inneren Antrieb, der seine Energie aus dem Erfülltsein mit der Freude an Gott erhält. Schließlich ist die „Freude an Gott“ meine Stärke. Ein leidenschaftlicher Glaube erwächst nicht aus dem Fürwahrhalten der richtigen Dogmen, der Abgrenzung von Anderen (auch nicht in angstbesetzter Rechtgläubigkeit!), sondern aus einer Begegnung mit Christus, die mich wie nichts anderes sonst mit Freude erfüllt. Glaube ich nur, dass Gott alles für mich ist oder erlebe ich dies tatsächlich durch den Frieden, den er mir schenkt? Hier sehe ich die Herausforderung für unsere Kirchen, nicht nur Bekehrte zu machen sondern „hingegebene Jünger Jesu“. Nicht zuletzt liegt hierin der „Erfolg“ für uns Christen begründet wenn es um konkrete Fragen der Heiligung geht (Charakterbildung, Versuchungen, Früchte des Geistes…). Zum Beispiel: Ein Mann wird nicht aufhören, Pornografie zu konsumieren, weil er weiß, dass das Sünde ist. Er wird es versuchen, vielleicht immer wieder. Und er wird fallen. Aber es wird ihm dann nachhaltig gelingen, wenn er sein Verlangen, seine Identität und seine emotionale Befriedigung in Christus allein sucht. Und weil Gott kein Lügner ist, wird er sie auch finden. Wenn Christus diesem Mann so faszinierend wird, dass er nur noch ihn will, rückt der gesamte Rest an seinen angestammten Platz. „Jesus, du bist genug für mich.“ Das ist der Schlüsselsatz für eine leidenschaftliche Nachfolge. Das ist intrinsische Motivation.

Puzzleteil 4: Das Gebetshaus

Im vergangenen Herbst sprach Gott in 5 Angelegenheiten zu mir und gab mir konkrete Hinweise und Zusagen. Seitdem bete ich Gott täglich diese Worte zurück und bitte ihn, sein Wort zu mir selbst wahr zu machen und zu bestätigen. Eines dieser Worte hat sich am 01. Mai erfüllt. Als Gott damals zu mir sagte: „In einem Jahr wird es den Gebetsraum in dieser Form nicht mehr geben“, war ich mehr als erschrocken, stellte sich mir doch die Frage, ob wir seit zwei Jahren in Bezug auf den Gebetsraum Bremen vollständig auf dem falschen Dampfer gewesen waren. Ziemlich bald jedoch begann ich zu ahnen, dass Gott etwas Anderes mit dem Gebetsraum vorhatte. Durch die große Gebetskonferenz Anfang des Jahres und unsere zunehmende Vernetzung mit Initiativen und Gemeinden in der Stadt, haben wir ein viel stärkeres Mandat als noch vor einem Jahr. Nicht zuletzt denken wir als Leitungsduo über einen sukzessiven Ausstieg aus unseren Berufen nach! Und so bahnte sich die Gründung eines gemeinnützigen Vereins an und die Umbenennung in Gebetshaus Bremen. Nicht zuletzt verbinden immer mehr Menschen bundesweit mit dem Begriff „Gebetshaus“ bestimmte Formen und Modelle und theologische Schwerpunkte, die nicht zuletzt durch Impulse der Gebetshäuser Augsburg und Freiburg transportiert werden, mit denen wir freundschaftlich und persönlich verbunden sind. Wie schön, dass wirklich viele unserer Mitarbeiter bei der Vereinsgründung dabei gewesen sind. So fügt sich auch dieses Puzzleteil ein, denn einmal mehr stellen wir fest: Das Gebetshaus gibt es auch und nicht zuletzt deswegen (dies bestätigen uns immer wieder Leute, die auch nur mal kurz hereinschnuppern), weil wir immer wieder an einen Ort zurückkehren wollen, an dem die Freude an Gott geweckt wird und ihren Ausdruck findet. Im Gebetshaus wird ein geistliches Leben kultiviert, das uns mehr als alles andere hilft, meine Freude an Gott um seiner selbst Willen zu suchen und zu finden.

Puzzleteile passen zusammen. Mein Leben als Christ gleicht immer mehr einer Jagd: es ist die Jagd nach dem ultimativen Schönen, das Gott selbst ist. Auf dieser Jagd gibt es Hilfen, die ich in den oben erwähnten Puzzleteilen versucht habe in Worte zu fassen. So hat für mich das Puzzle längst seinen Schrecken verloren. Trotz Kindergarten.

 

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/puzzle-letztes-teilchen-stück-654957/

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