Zeit mit Gott- aber wie?

Auf der Gemeindefreizeit in Dänemark durfte ich über Gebet lehren und einen Harp&Bowl- Workshop anbieten. Immer wieder stellt sich Christen dieselbe Frage. Zeit mit Gott- ja schon, aber wie? Jeder Christ weiß, dass sie wichtig ist, doch so mancher hat seine liebe Not damit. Hier ein Einblick in meine persönlichen „Gewohnheiten“.

1. Ich habe einen festen Ort mitten in meinem Arbeitszimmer. Er ist nichts besonderes, täglich laufe ich mehrfach daran vorbei. Ich komme trotzdem gerne dorthin und weiß: diese zwei Quadratmeter sind morgens für Ihn reserviert.

2. Ich habe eine feste Zeit. Da mein Tag um kurz vor 7 mit Kinderwecken beginnt und bis abends durchgeplant ist, nehme ich mir ab 5 Uhr Zeit. Das bedeutet, dass ich abends rechtzeitig ins Bett gehen muss, damit ich das schaffe. Nehme ich mir die Zeit morgens nicht, kann ich sicher sein, dass ich auch im Laufe des Tages nicht dazu komme.

3. Ich zünde eine Kerze an. Sie symbolisiert für mich: diese Zeit ist heilig, weil ich sie mit Gott verbringe. Ich sehne mich nach SEINEM Licht. Außer duschen und einer Tasse Kaffee habe ich nichts getan bisher. Das bleibt auch so. Keine Mails, keine Notizen, kein Facebook. Die erste echte Beschäftigung des Tages gehört meinem Geliebten.

4. Ich nehme eine Haltung ein. Für mich hat sich das Knien als beste Haltung bewährt und so habe ich mir ein Kniebänkchen gekauft. Im Knien kann ich auch über längere Zeit aufrecht sein ohne mich irgendwie zu verspannen. Wenn mir kalt ist, lege ich mir eine Decke über die Schultern.

5. Ich stelle meinen Wecker. 10-15 min lang möchte ich nicht beten oder in der Bibel lesen, sondern nur sein. Ich möchte zur Ruhe kommen, wahrnehmen und mich seiner Gegenwart vergewissern (Joh. Hartl: „Dein Blick auf mir, mein Blick auf dir und das genügt“).

6. Ich öffne meine Hände, die Handflächen zeigen nach oben. Damit zeige ich meine Bereitschaft zu empfangen: „Ich habe nichts zu geben, alles, Herr, bist du und kommt von dir.“

7. Ich komme zur Ruhe. Dabei bete ich gar nicht aktiv. Meine Gedanken kreisen um alles mögliche- ich lasse sie kreisen, verfolge sie aber nicht weit

er oder versuche sie zu bekämpfen. Trotzdem möchte ich mein Herz bei Gott zur Ruhe zu bringen. Ich strecke mich innerlich aus nach ihm. Manchmal verbinde ich meinen Atem mit einem alten Gebet: „Christus (ausatmen) Jesus (einatmen), erbarme dich (ausatmen) meiner (einatmen).“ Dabei liebe ich den Satz von Franz von Sales: „Und selbst dann, wenn du nichts getan hast in deinem Leben, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen – obwohl es jedesmal wieder fortlief, wenn du es zurückgeholt hattest -, dann hat sich dein Leben wohl erfüllt.“

8. Ich bin zur Ruhe gekommen und bereit, die Bibel aufzuschlagen. Ich halte das geschlossene Buch in den Händen und spreche laut: „Gott, dies ist dein lebendiges Wort. Es ist die Wahrheit. Ich bitte dich, schließe mir dein Wort durch deinen Hl. Geist auf.“

9. Ich lese laut eine Passage entweder aus meiner fortlaufenden Lektüre (ich lese die Bibel stets „der Reihe nach“) oder einen Psalm (ebenfalls fortlaufend). Dabei achte ich auf eine gute Betonung der Worte und auf langsames Tempo.

Gebetshaus innen 2Immer wieder lasse ich zwischen den Sätzen kurze Pausen, damit das Gesprochene nachwirken kann. Dieses laute Lesen geschieht nicht analytisch. Ich möchte dem Wort Klang, Raum und Gestalt geben.

 

 

10. Ich arbeite am Text, unterstreiche mir wichtige Passagen mit unterschiedlichen Farben, notiere Parallelstellen und Zusammenhänge, Themen und Gegensätze. Ich male am Rand und und den Text hinein, verbinde, klammere ein und streiche durch. Ich entwerfe Grafiken und Schaubilder, weil ich ein visuell veranlagter Mensch bin. Ich schlage die Elberfelder Bibel auf und forsche wie Sätze wörtlich heißen. Beim Malen und Schreiben hilft mir meine Lutherbibel mit extra breitem Schreibrand.

11. Ich bleibe an einer Aussage hängen, die ich zu einem ersten Gebet mache. Dabei stimme ich der Aussage zu, forme sie um und bete sie Gott zurück. Ich erinnere ihn an seine Versprechen und Eigenschaften und halte ihm seine Wahrheiten vor. Ich lobe ihn für das, was er ist, um seiner selbst willen.

12. Manches mal schnappe ich mir meine Gitarre und singe das gelesene Wort. Ich merke, wie das Wort dadurch tiefer in mein Herz sinkt.

13. Ich gehe allmählich über zu den Anliegen meiner Gebetsliste. Hierfür habe ich für jeden Tag eine kleine Liste, sie liegt in meiner Bibel und verändert sich immer mal wieder. Jeden Tag bete für einen anderen Schwerpunkt (Familie, Freunde, Nachbarn, Beruf, Gemeinde, Politik, Einheit und Erneuerung der Kirche) und entfalte dabei die Anliegen konkreter. Ab und zu fällt ein Anliegen weg oder kommt dazu.

14. Gebetserhörungen und Eindrücke im Gebet halte ich in einem Tagebuch fest. Darin finden sich auch Klagen, Dank und Glaubenserfahrungen sowie Liedtexte, die in den Gebetszeiten entstanden sind.

15. Während des Betens wechseln sich Anbetung und Fürbitte wie von selbst ab. Gleiches gilt für das Gebet in Sprachen. Ich nutze dieses um meine persönliche Hingabe und Fürbitte auszudrücken. Dieses „Gebet im Geist“ vermischt sich bei mir mit dem „Gebet in der Wahrheit.“

16. Während der gesamten Zeit verändere ich meine Sitzhaltung nicht (sie hilft mir, mich zu konzentrieren) und bete stets mit geöffneten, ausgebreiteten oder erhobenen Händen.

17. Ich lösche die Kerze und starte in den neuen Tag.

So beginne ich den Tag mit einer Zeit der Besinnung, der Hingabe, der Beschäftigung mit Gottes Wort und Anbetung und Fürbitte. Ich höre auf seine Stimme und bin in seiner Nähe. Ich erlebe, das Gott mir nahe ist und er zu mir spricht. Nicht immer gleich und manches mal überhaupt nicht. Trotzdem bete ich weiter. Weil er es verdient hat und weil mein Gebet nicht abhängig ist von dem was ich fühle oder verstehe.

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