#2 Geheiligter Ort- Ab ins Weinhaus!

Jeder kennt sie, die „heiligen“ Orte, an denen man die Stimme senkt, sobald man sie betritt, z.B. Kirchen, Friedhöfe oder Gedenkstätten. C.S. Lewis spricht in diesem Zusammenhang von der „Erfahrung des Numinosen“, die Menschen aller Zeiten, Kulturen und Religionen eigen ist (1). Diese Erfahrung unterscheidet zwischen Profanem und Sakralem, z.B. durch Absonderung (so das hebräische Wort für „heilig“ qadoš). Als Illustration diene die Trennungskordel auf dem Foto der Holzkapelle des Campus Galli auf der Schwäbischen Alb.

Wer Gefallen gefunden hat an Disziplin und Struktur in seinem Gebetsleben, z.B. durch regelmäßige Gebetszeiten am Morgen, wird sich auch Gedanken machen über den Ort seines Gebets und dabei entdecken, welchen Nutzen ein besonderer, abgesonderter und heiliger Ort für das persönliche Gebet haben kann.

In der Bibel entdecken wir an verschiedenen Stellen heilige Orte.

Gott heiligt Orte. Dies geschieht durch seine Entscheidung und Anwesenheit, z.B. im brennenden Dornbusch (2.Mose 3,5), dem Heiligen Land (Ps. 78,54) oder der Heiligen Stadt (Offb. 21,2).

Menschen heiligen Orte. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie Erfahrungen mit Gott gemacht haben, z.B. im Leben Jakobs (1. Mose 28,10-22; 32,2+3).

Menschen und Gott heiligen Orte. Menschen treffen hierbei Entscheidungen für einen geheiligten Ort und Gott stellt sich dazu. Berühmtes Beispiel ist in der Erwerb des Grundstücks für den späteren Tempel durch David (1. Chr. 21,28-22,1 und 2. Chr. 3,1). Gott stellt sich zu Davids Entscheidung, „legt seinen Namen nieder“ an diesem Ort (2. Chr. 6,20) und macht sich auf in Herrlichkeit zum „Ort seiner Ruhe“ (2. Chr. 6,41).

Klar ist aus neutestamentlicher Sicht wiederum, dass es für uns keinen besonderen Ort der Gottesbegegnung mehr bedarf, weil Christus zuerst der Tempel Gottes ist (Johannes 2,21) und wir ebenso durch die Wiedergeburt und den Heiligen Geist (1. Kor. 3,17) Tempel Gottes werden. Christus wohnt in uns (Gal. 2,20) und in Gottes neuer Schöpfung wird es einmal auch keinen Tempel mehr geben, weil Gott selbst unter seinem Volk wohnt (Offb. 21,22). Wozu also das Nachdenken über einen persönlichen geheiligten Ort für unser Gebetsleben?

Hierbei ist mir eines wichtig: Es handelt sich bei allem Bemühen um Wachstum im Glauben (zu dem auch das Gebet gehört) niemals um ein magisches Denken nach dem Motto: „Nur das Richtige tun und die korrekten Formeln sprechen, und das geistliche Leben flutscht“. Unsere Beziehung zu Jesus gründet sich nicht auf Anstrengung, Leistung, irgendwelche Zeiten, Orte oder Vokabeln, sondern allein auf das Erlösungswerk Christi und die Liebe Gottes zu uns, die in ihm erschienen ist. Aber:

Es gibt durchaus Nebensächlichkeiten, die uns helfen können, die Hauptsache in den Fokus zu bekommen.

So beobachten wir Jesus, der an einen einsamen Ort geht, um zu beten (Markus 1,35). Nebensächlich? Ich glaube nicht.

Zu Beginn steht eine Entscheidung: Die Reservierung eines Ortes zum Zweck des Gebets. Danach kommt die Erfahrung: Diese Hilfe, Gebet ernst zu nehmen, erleichtert mein Gebet. Ich erlebe, dass Gebet wirklich zum Ort der Begegnung mit dem Geliebten wird- deswegen ist er mir heilig. Ich erlebe, dass der Ort des Gebets zum Ort der Begegnung mit dem Heiligen wird- deswegen ist er mir lieb.

„Er hat mich ins Weinhaus hineingeführt, und sein Zeichen über mir ist Liebe.“ (Hoheslied 2,4)

Deswegen ist ein fester Ort für mein Gebet eine Hilfe, weil

  • er reserviert ist. Das macht ihn besonders.
  • er vertraut ist. Das macht ihn mir lieb.
  • er ein Kampfplatz ist. Er erzählt von den Niederlagen meines Lebens und den Siegen meines Glaubens.
  • er ein Ort der Stimme Gottes ist. Ich habe dort gelernt seine Stimme zu hören in der Heiligen Schrift und Gebet.

Tipp 1: Gestalte den Ort. Wähle einen Ort aus (vor dem Bett, in der Mitte des Arbeitszimmers, in einer Ecke). Achte darauf ungestört zu sein und keine Ablenkung zu haben. Stelle ein Kreuz oder eine Kerze auf. Lege einen kleinen Teppich auf den Boden oder nutze eine Kniebank. Rituale helfen dir, eine Gebetszeit zu gestalten. Hinweis an alle „Im-Wald-und-beim-Spaziergang-Beter“: Ein Ort der Stille in einem Haus bietet deutlich weniger Reize und Einflüsse als die freie Natur und hilft bei der inneren Ausrichtung und Fokussierung.

Tipp 2: Gib den Ort ab. Beginne deine Gebetszeit mit den Worten: „HERR, diese Zeit und dieser Ort gehören jetzt Dir. Ich schaue aus nach Dir.“ (vgl Ps. 5,4b)

Tipp 3: Kehre zurück an den Ort in Beständigkeit. In Ps. 23 betet David: „Ich kehre zurück ins Haus des Herrn für immer.“ Die Frage darf erlaubt sein: Welches Haus meint David in einer Zeit, in der die Stiftshütte an Bedeutung verloren hatte und es den Tempel noch gar nicht gab? Wie die Antwort auch ausfallen mag (vgl. die Bedeutung der „Hütte Davids“ für die Anbetung in Israel, https://www.hopbasel.ch/wp-content/uploads/Die-Huette-Davids.pdf), entscheidend ist seine Beständigkeit und seine Liebe zu diesem Ort. Höre deswegen nicht auf, Gott an diesem, deinem Ort zu suchen und bewahre die Offenheit, ihn dort und an jedem anderen Ort zu finden.

(1) C.S. Lewis: „Über den Schmerz“; Brunnen-Verlag, Gießen 2007; S.13

Bildnachweis: (1) Jon Flobrant auf https://unsplash.com/

(2) Frank Laffin, privat

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